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Erstes Palliativsiegel für stationären Pflegedienstleister in Soest

Soest, Gießen (24. Oktober 2017) – Hohe Betreuungsqualität für Schwerstkranke und Sterbende im Hanse-Zentrum und Lina-Oberbäumer-Haus. Träger ist die Evangelische Frauenhilfe Westfalen.

Prof. Wolfgang George hat das Palliativsiegel mit empirischen Studien zwischen 2013 bis 2017 entwickelt. Ziel ist es, stationäre Versorger in der Krankenpflege auszuzeichnen, denen es gelingt Schwerstkranke und Sterbende menschenwürdig zu betreuen.

Team des Lina-Oberbäumer-Hauses in Soest (Foto: privat)

Betreuungs-Umfeld der Schwerstkranken und Sterbenden

Die psycho-sozialen, pflegerischen und medizinischen Bedingungen des Sterbens und Begleitens im stationären Betreuungs-Umfeld sind in das Verfahren eingeflossen. In diesem Umfeld versterben circa 80% aller Deutschen.

Kriterien-Katalog für die Vergabe des Palliativsiegels

Ferner umfasst das wissenschaftlich fundierte Verfahren

  • die pflegerischen Handlungsfelder
  • die Mitarbeiterqualifikation
  • das Symptom-Management
  • die Patienten-/ Bewohner-Verfügungen
  • die kulturell-ethnischen Bedürfnisse der Patienten

sowie Angebote für trauernde Angehörige.

Desweiteren sind die organisatorischen Voraussetzungen zu prüfen. Unterstützt der Träger das Verfahren aktiv? Bislang ging das Palliativsiegel an 20 Krankenhäuser in Deutschland und Österreich.

Mitarbeiter des Hanse-Zentrums nehmen die Urkunde des Palliativsiegels stolz entgegen. (Foto: privat)

Angepasstes Vorgehen für Pflegedienstleister

Seit kurzem wird das Siegel in einem angepasstem Vorgehen an stationäre Pflegedienstleister adressiert. Hier finden neben der Überprüfung der Kriterien auf diese jeweils bezogene Fachgespräche und eine Einrichtungs-Begehung statt.

Zusätzlich wird ein Informations-Austausch mit Angehörigen, Bewohnerinnen und Bewohnern und mit den verschiedenen Kooperationspartnern geführt und bewertet.

Die Vergabe des Deutschen Palliativsiegel ist das Resultat gelungener Vorarbeiten des Trägers und der Einrichtungs-Verantwortlichen in Soest. Die Evangelische Frauenhilfe Westfalen verbessert die Betreuung sterbender Menschen seit Jahren. Der eingetragene Verein feiert in diesem Jahr sein 111-jähriges Jubiläum.

Ansprechpartner Siegelgeber

Wolfgang George
george@transmit.de
Tel: 0641-9482111

Medizinisches Seminar George
Jahnstraße 14
35394 Gießen

Neue Möglichkeit für stationäre Pflegeeinrichtungen

Stationäre Pflegeeinrichtungen, die eine Auszeichnung mit dem „Deutsches Palliativsiegel“ anstreben, steht seit Juli 2017 die im Folgenden beschriebene Möglichkeit offen:

  1. Ihre Einrichtung erwirbt den Kriterienkatalog und ein Antragsformular (gegen eine Schutzgebühr von 280 € netto). Gehen Sie hierbei auf Kontakt und geben uns eine entsprechende Nachricht, die wir zeitnah bearbeiten. // Sie haben nun die Möglichkeit die Kriterien (a), die Voraussetzungen über die Sie in Ihrer Pflegeeinrichtung bereits verfügen (b) und diejenigen die Sie entwickeln bzw. ergänzen müssen (c) kennenzulernen und zu entscheiden (d) ob Ihre Einrichtung das „Deutsches Palliativsiegel“ erwerben möchte. Im Fall, dass dies der Fall ist, teilen uns dies durch Zusendung des ausgefüllten „Antragformulars“ für Pflegeheime mit.
  2. Mit ihrer Einrichtung wird ein Termin der Visitation bzw. des Peer-Reviews (mit 2 anreisenden Experten) vereinbart. Zu dessen Vorbereitung erhalten Sie einen gesonderten Ablaufplan.
  3. Sie erhalten eine Rechnung (Schutzgebühr von 2.100 € netto) für den weiteren Prozess.
  4. Die Visitation bzw. das Peer-Review wird durchgeführt und protokolliert.
  5. Sie erhalten einen Ergebnisbericht bzw. bei Erfüllung der Voraussetzungen die Auszeichnung und Urkunde mit dem „Deutsches Palliativsiegel“ binnen 4 Wochen.
  6. Die Gültigkeit beträgt 3 Jahre. Nach 1,5 Jahren wird ein Zwischengespräch geführt (500 € netto)

 

Deutsches Palliativsiegel – Zwei Krankenhäuser in Österreich ausgezeichnet

Gießen, 04. Mai 2015 – Neu entwickeltes Prüfsiegel (Deutsches Palliativsiegel) für Krankenhäuser und stationäre Pflegestätten bescheinigt und fördert hohe Betreuungsqualität für Schwerstkranke und Sterbende.

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Österreich/Austria/Autriche: Burgenland, Güssing, Schloßberg mit Fischteich, von Südwesten her (Foto: Wikipedia)

Die beiden Krankenhäuser Oberwart und Güssing im Burgenland erhielten nach einem Qualitätscheck das Deutsche Palliativsiegel. Im Rahmen einer KTQ-Prüfung haben beide Kliniken nachgewiesen, dass sie über eine hervorragende Qualität in der Fürsorge von Schwerstkranken und Sterbenden verfügen.

„Die Arbeit mit Sterbenden ist eine aufreibende Arbeit. Die Dekoration mit dem Qualitätssiegel ist positiv sowohl für das externe als auch das interne Image des Krankenhauses. Das Siegel bescheinigt, dass interne Zuständigkeiten und Abläufe verbindlich reguliert werden“, betont der verantwortliche Krankenhaus-Direktor Peter Rezar.

Die beiden ausgezeichneten Krankenhäuser gehören zu den Burgenländischen Krankenanstalten GmbH (KRAGES), einer Management-Gesellschaft, in welcher die Mehrzahl der Krankenhäuser des Burgenlandes organisiert wird. Das Krankenhaus in Güssing betreibt 139 Betten, das Krankenhaus in Oberwart 349 Betten.

 

Der Erwerb des Siegels ist für Krankenhäuser exklusiv an das KTQ-Zertifikat gebunden. Das Zertifikat bewertet die Güte und zeichnet den Inhaber als mitmenschlich zugewandten Dienstleister seiner Region aus.

 

TransMit GmbH im Internet: www.transmit.de

Wie organisiert man regionale Wertschöpfungsketten?

Eine Fortbildung zum „Zertifizierten Regionalökonomen“ bietet die Technische Hochschule Mittelhessen ab dem kommenden Wintersemester an. Der Lehrgang des Hochschulzentrums für Weiterbildung richtet sich an Mitarbeiter kommunaler und anderer öffentlicher Einrichtungen, an Beschäftigte der Regionalwirtschaft, an Planungs-, Projekt- und Beratungs-Gesellschaften.

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Regional-ökonomisches Wissen werde dringend benötigt, bilanziert Prof. Dr. Wolfgang George, fachlicher Leiter des Lehrgangs. Und er erläutert: „Die Teilnehmer lernen, wie regionale Wertschöpfungsketten multidimensional organisiert und regionale Marken aufgebaut werden. Sie können so der erkennbaren Abwanderung aus dem ländlichen Raum und dem regionalen Kaufkraftverlust entgegenwirken.“ (Foto: TH Mittelhessen)

Das Handwerkszeug hierfür liefert der einsemestrige nebenberufliche Lehrgang in drei Modulen. Zunächst geht es um „Methoden, Techniken, Qualitäts- und Risiko-Management“.Das zweite Modul widmet sich speziellen Problemen der Regional-Ökonomie wie Finanzplanung, Marketing, Businessplan und Controlling. Der letzte Abschnitt trägt den Titel „Regional-Ökonomie als Strategie der Unternehmens- und Geschäftsfeldentwicklung“. Die Wissensvermittlung erfolgt über eine Online-Lernplattform.

Zusätzlich sind 15 Präsenztage vorgesehen. Die Leistungsnachweise werden für den Studiengang Master of Business Administration der THM anerkannt.

Kooperationspartner sind der Deutsche und der Hessische Städte- und Gemeindebund. Der Lehrgang beginnt im Herbst. Anmeldeschluss ist der 1. Oktober.

Weitere Informationen gibt es bei Tina.Weiss@hzw.thm.de und im Internet (www.thm.de/hzw).

Abschlussbericht „Hessischer Energiegipfel“ liegt vor.

Hessischer Energiegipfel

Am 10. November 2011 fand in der Staatskanzlei in Wiesbaden die Abschlusssitzung zum Hessischen Energiegipfel statt. Im Anschluss daran stellten der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gemeinsam mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg-Uwe Hahn, Umweltministerin Lucia Puttrich, Wirtschaftsminister Dieter Posch und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer die Ergebnisse der Beratungen vor. (Foto: Pressestelle der Hessischen Staatskanzlei)

Genossenschaftliches Vorgehen hat die Chance, sich als Leitmodell durchzusetzen.

„Wir sehen uns in unserem Vorgehen Energie-Genossenschaften in möglichst enger Abstimmung mit den kommunalen Partnern zu gründen bestätigt“.

Der § 121 der Hessischen Gemeindeordnung, der die wirtschaftliche Betätigung von Kommunen begrenzt, soll zugunsten einer „kriteriengeleiteten“ Betätigungs-Möglichkeit relativiert werden. Und hier denkt man auch an die Beteiligung von Bürger-Genossenschaften.

„Wesentliche Aussagen des Berichtes bestätigen ausdrücklich unser bisheriges Vorgehen.“, bewertet Dr. Wolfgang George von der ARGE Energie-Genossenschaften den am 10. November veröffentlichten Abschlussbericht des Hessischen Energiegipfels.

Der 22-seitige Bericht fasst die Ergebnisse und Empfehlungen der 4 Arbeitsgruppen und die verschiedenen Kommentierungen der hessischen Oppositionsparteien zusammen.Zu folgenden Sachverhalten formulieren die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse und Empfehlungen:

1. Ausbau eines zukunftsfähigen Energiemixes aus erneuerbaren und fossilen Energien in Hessen.
2. Identifizierung von Energieeffizienz- und Energiespar-Potentialen in Hessen.
3. Anforderungen an eine verlässliche und versorgungssichere Energieinfrastruktur.
4. Gesellschaftlichen Akzeptanz einer veränderten Energiepolitik in Hessen.

„Natürlich bleiben zahlreiche Unschärfen und auch offene Fragen. Umso erfreulicher, dass unsere Kernbotschaft einer kooperativen Regional-Ökonomie sich an verschiedensten Stellen einfindet, obwohl wir nicht direkt in der Gruppe vertreten waren.

Wenn wir auch weiterhin in kooperativ-intelligenter Abstimmung mit den Vertretern der Kommunen, deren Stadtwerken, den regionalen Banken und eben auch den Bürgern vorgehen, wird sich das genossenschaftliche Vorgehen als Leitmodell durchsetzen. Da bin ich sehr zuversichtlich.

Zugleich müssen wir kritisch prüfen, wie wir unsere Argumente, Erfahrungen und Modelle zukünftig konstruktiv in einen zu erstellenden hessischen Masterplan einbringen. Aber auch hier bin ich zuversichtlich, denn uns eint das gemeinsame Interesse an einer lebenswerten Zukunft in Hessen.“

Muss der Bürger passiver Betrachter der Energiewende bleiben?

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Sind alle Kriterien der regionalen Ökonomie berücksichtigt worden? (Foto: Benjamin Klack / pixelio.de)

Zulassungsbehörden müssen die Interessen der Region und der Bevölkerung vertreten.

Prof. Dr. Wolfgang George: „Wir leben in einem wettbewerbsoffenen Land und in Brüssel achtet man sehr auf dieses Leitziel. Zugleich verdeutlicht die gegenwärtige Diskussion um die Ermöglichung der Energiewende das ganze Dilemma eines idealisierten freien Wettbewerbs.

Ist es fair und wirtschaftlich sinnvoll, dass primär die überregionalen Entwickler, Investoren und Betreiber der regenerativen Energie-Produktionsstätten den monetären Nutzen haben? Und warum muss eine mehr oder weniger zur passiven Betrachtung verpflichtete Bevölkerung die Hauptlast der unterschiedlichen Nebenwirkungen, die sich ergeben, ertragen?“Die mit der Zulassung der Anlagen beauftragten öffentlichen Stellen stehen vor der schweren Aufgabe die Interessen der Region und die „des freien Wettbewerbs“ verantwortlich zu balancieren. Dabei findet dieser Ausgleichsakt keinesfalls in einem gesellschaftspolitisch luftleeren Raum statt. Vielmehr geht es zahlreichen ländlich-geprägten Regionen, deren Städte und Gemeinden Deutschlands wirtschaftlich definitiv schlecht und die Talsohle ist noch nicht erreicht.

Umso eindrucksvoller ist es, dass es einigen dieser Problemlage-Gemeinden nach nur wenigen Jahren gelungen ist, einen eindrucksvollen “turn-around“ aufgrund des konsequenten Ausbaus der erneuerbaren Energien zu erreichen.

Soll diese Erfahrung als Spezialfall oder als systematischer Prozess zugunsten der Regionalentwicklung verwendet werden?

Als wesentliche Vertreter des ländlichen Raums, die sich in immer größer werdender Zahl dem Ausbau der erneuerbaren Energien verschreiben, sind die Bürgermeister des Landes auszumachen. Diese erkennen zwischenzeitlich die Möglichkeiten die sich gegenwärtig für ihre Gemeinden und Regionen bieten.

Dabei haben die klugen Bürgermeister erkannt, dass die sie interessierende regionale Wertschöpfung weit über die Gewerbesteuer und Pachteinnahme hinaus reicht. Über 70% dieser werden im Betrieb, Kapitaldienst, neuen bzw. langfristig gesicherten Arbeitsplätzen gewonnen! Hier sehen sie einen Teil der Zukunftssicherung ihrer Gemeinde und Region.

So sind die politisch Verantwortlichen und ihre Zulassungsbehörden gefordert nachhaltig-funktionierende Lösungen für die Regionen und deren Bevölkerung zu identifizieren und dies in einem Zulassungsverfahren in den Kriterien wie regionale Wertschöpfung, Zukunftsfähigkeit der Region, Klimaschutz und soziale Befriedung ihre Berechtigung haben.

Transition Towns – Städte im Wandel

Vortrag über Städte im Wandel und Energiewende-Initiativen

Zu einem Vortrag über die „Transitions Towns“ lädt die NABU Umweltwerkstatt Wetterau am Freitag, den 28. Oktober 2011, um 20.00 Uhr in den kleinen Saal des Bürgerhauses in Assenheim (Hauptstraße 2) ein. Einlass zu dieser öffentlichen Veranstaltung ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei, Spenden erwünscht.

Lokale Lebensmittelproduktion, lokale Tauschmittel und eine lokale Energieversorgung sind die Eckpfeiler der aus England stammenden Idee der „Transition Towns“, die Frank Uwe Pfuhl in seinem Vortrag vorstellen wird. Ein Phänomen, das 2006 in der Stadt Totnes begonnen, längst auch einige deutsche Städte ergriffen hat. Die Idee ist ganz einfach: Die Rückbesinnung auf lokale oder regionale Kreisläufe macht zahlreiche soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme beherrschbar. Damit soll insbesondere dem Klimawandel und den Problemen des immer knapper werdenden Erdöls begegnet werden.

Veränderte Rahmenbedingungen für die Region erfordern neue berufliche Kompetenzen.

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Prof. Dr. Wolfgang George: Schlüssel zum Erfolg die regionalen Veränderungen nutzen (Foto: Wilfried J. Klein)

Die verschiedenen Handlungsfelder der Regionalwirtschaft und die sich aus diesen ergeben, haben sich verändert. Der Wandel ergibt sich weniger aus den gesetzlichen Veränderungen oder neuen Erkenntnissen der Volks- und Betriebswirtschaft als vielmehr den sich ändernden endogenen Bedingungen für die Region. So wirken sich der demographische Wandel, Landflucht, Konzentration der Unternehmen und Kompetenzen nicht ausgeglichenen Kommunalhaushalten und der damit einher gehende Rückbau infrastruktureller Leistungen zusehend aus.

Berufliche Aus- und Weiterbildungen zum Regionalmanager waren eine Reaktion auf diese Änderungen. Indes zeigt sich gegenwärtig dass die vermittelten Methoden und Kenntnisse nur bedingt geeignet sind die gegenwärtig notwendigen Steuerungen zu vermitteln.So ist noch dezidierteres Wissen um das wirtschaftliche Entwicklungspotential der Region gefordert. Aus diesen — zu mehr Wettbewerb und Aktionsfeldern in der Region — führenden Potentialen haben sich neue Organisations-Formen, Funktionalitäten und Geschäftsmodelle für die Regionalwirtschaft etabliert. Diese bleiben nicht ohne Auswirkung auf die Tätigkeits- und Verantwortungs-Profile der Kommunen, Stadtwerke und die in der Region tätigen Organisationen und deren Mitarbeiter. So ist ein Schlüssel zum Erfolg die regionalen Veränderungen zu nutzen die Ausbildungsqualität, Kenntnisse und Fähigkeiten der handelnden Personen.

Globale Krise – Regionale Nachhaltigkeit

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»Globale Krise – Regionale Nachhaltigkeit« (Buchcover)

Immer mehr Autorlnnen sehen in einer Regionalisierung des Wirtschaftens einen Zukunftsweg. In dem Band »Globale Krise – Regionale Nachhaltigkeit« skizziert der Politikwissenschaftler Ulrich Brand einmal mehr den Zusammenhang sich überlagernder Krisenphänomene – er spricht von »multipler Krise« – und stellt der »dominanten Krisendeutung« von der Konjunkturkrise eine alternative Deutung entgegen, der gemäß die gegenwärtige Konfliktlage »Ausdruck der offenbar mit den bestehenden Instrumenten nicht mehr bearbeitbaren Widersprüche des neoliberal-imperialen und globalisierten Kapitalismus« darstellt (S. 13). Es gehe um »tief in den Gesellschaften verankerte Produktions- und Lebensweisen, die sozial spaltend und Natur zerstörend sind« (ebd). Brand fordert eine »neue, progressive Transformation quer durch die Gesellschaft« (S. 24), die insbesondere auch dem »Staatspersonal selbst plausibel sein« müsse (S. 24). Die entscheidende Frage für progressive Politik sei die Herausbildung einer neuen Produktions- und Lebensweise, »die nachhaltig, solidarisch und demokratisch ist« (ebd.).

Der Autor spricht von einem »neuen Protektionismus«, der »zentrale gesellschaftliche Bereiche wie Ernährung, soziale Sicherheit und öffentliche Güter vor den Finanzmärkten und den damit verbundenen Interessen schützt« (ebd.).

Die Frage »Systemfehler oder Akteursversagen?« beantwortet Damel Deimling in der Folge dahingehend, dass das System den Akteuren falsche Anreize setze. Die Aufblähung des Finanzmarkts führe zur Kluft zwischen »realem und illusorischem Vermögen« (S. 47), die darauf folgenden Krisen seien nichts anderes als »Wertberichtigung«, jedoch mit dramatischen Folgen für die Gesellschaften. »Mit der Gier ist also das Streben der Banken nach absurd hohen Renditen gemeint, die sich folgerichtig im Vergütungssystem der Banker widerspiegeln.« (S. 47)

Stellvertretend für die weiteren Beiträge sei hier noch auf die Ausführungen des Herausgebers Ulf Hahne eingegangen, der ein Positivszenario einer regionalisierten Ökonomie entwickelt. Regionen sind für ihn »Laboratorien für Zukunftslösungen« im Sinne von nachhaltigem Wirtschaften und Leben (S. 71). Mobile Standortfaktoren wie Arbeitskosten oder Kreativpotenzial würden die gegenwärtig übliche Standorthierarchie bestimmen (»World-City-Hypothese« von Sassia Sassen und Paul Friedman; Konzept der »kreativen Klasse« von Paul Florida). Der Erfolg der Regionen außerhalb der Agglomerationszentren beruht nach Hahne hingegen auf »der Ausprägung immobiler Standortfaktoren«. Dazu zählt er nicht nur das lokale Sachkapital und die »Sesshaftigkeit von Arbeitskräften wie familiengeführten Unternehmen, sondern auch die natürlichen Voraussetzungen, die institutionellen Regeln, die ethischen und kulturellen Gepflogenheiten der Region« (S. 70). Als Zukunftsfelder für Regionalisierung beschreibt Hahne »regionale Energieeffizienz« in der postfossilen Ära (einschließlich der »Rekommunalisierung der Energieversorgung«), »regionale Wertschöpfungsketten« (z. B. Produktionsnetzwerke)sowie schließlich regionale Wohlstandskonzepte«, die neben regionaler Kaufkraftbindung auch »regionale Atmosphäre« (Erscheinungsbild von Städten und Regionen), »Kontaktspielräume und Subsistenz« sowie »regionale Selbststeuerung« enthalten. Im Sinne von »Governance« als »Koordination kollektiven Handelns zwischen Politik und Bürgern, Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft« seien auf regionaler Ebene Partizipationsprozesse möglich, die Akteure zusammenführen – Vorgänge, die freilich der Moderation bedürfen.

Hahne ist überzeugt, dass von Regionen »Systeminnovationen« ausgehen können, »welche die Dimensionen des materiellen (…), die Dimensionen der Kontakt- und Kooperationsspielräume sowie die Dimension von Entscheidungsspielräumen und Governance umfassen« (S. 87).

Weitere Beiträge des Bandes thematisieren »Siedlungsstrukturen und regionale Energieversorgung«, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf lokale Nachhaltigkeitsstrukturen, die Möglichkeiten »sozialer Stadtentwicklung« sowie »problematische Territorialisierungen« anhand ethnischkultureller Grenzen. Noch sind die Konturen der sich abzeichnenden Regionalökonomien unklar, doch liegt in ihnen, so auch die Überzeugung des Rezensenten, ein Steuerungspotenzial für ein neues Verständnis von Wohlstand.

Hans Holzinger – Aus: pro Zukunft 4.2010 und CONTRASTE Nr. 319 (April 2011, Seite 14)

Ulf Hahne (Hg): Globale Krise – Regionale Nachhaltigkeit –
Handlungsoptionen zukunftsorientierter Stadt- und Regionalentwicklung.
Detmold: Rohn, 2010. 220 S., 29 EUR

Regionale Ökonomie : Bürger mobilisieren ihre eigenen Ressourcen

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Prof. Dr. Hans-H. Münkner schrieb in seinem Buchbeitrag über die regionale Ökonomie

Helmut Euler: Das Geld des Dorfes dem Dorfe

Obgleich Kenntnisse über Genossenschaften oft fehlen, Vorurteile weit verbreitet sind und Genossenschaftslehre im Unterricht an Schulen und Universitäten eher die Ausnahme, als die Regel ist, zeigt sich in den vergangenen Jahren verstärktes Interesse an der Gründung neuer Genossenschaften.

Wie zu Zeiten Raiffeisens und Schulze-Delitzschs entwickeln sich mit Bio-Energiedörfern, genossenschaftlichen Dorfläden und Kooperation im Gesundheitswesen replizierbare Modelle neuer Genossenschaften, die zahlreiche Nachahmer finden.

Als neuer Trend ist zu beobachten, dass der Nutzerkreis sich erweitert. Von einer begrenzten Selbsthilfegruppe für individuelle Zwecke kommt es häufiger zu lokalen und regionalen Bürgergruppen zu Verfolgung kommunaler und regionaler Zwecke, wo der Staat sich zurückzieht und kommerzielle Investoren kein Interesse zeigen. Bürger mobilisieren ihre eigenen Ressourcen um Infrastruktur zu erhalten und auszubauen, Lebensqualität in der Kommune nachhaltig zu verbessern, Arbeitplätze außerhalb der Landwirtschaft zu schaffen, Selbstversorgung mit Energie, Nahrungsmitteln und sozialen/kulturellen Dienstleistungen zu organisieren.

Dafür wurden durch die Genossenschaftsrechtsnovelle 2006 die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert. Es werden Gründungshilfen organisiert und Gründungskosten gesenkt. Typisch genossenschaftliche Finanzierungsregeln werden wieder entdeckt und zeigen den Weg zur Mobilisierung örtlicher Ressourcen für örtliche Entwicklung nach dem Motto „Stärkung der örtlichen Infrastruktur mit eigenen Ressourcen“.

Helmut Euler, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Hessenland eG spricht in einem Bericht in der Oberhessischen Presse (vom 26.05.2011, S. 27) von der VR Bank Hessenland „als Impulsgeber, nicht als investierender Akteur: Das Geld des Dorfes dem Dorfe“ und von Geldanlagen, „die den Bürgern die Teilhabe an der Wertschöpfungskette ermöglichen“.

Kurzbiographie von Prof. Dr. Hans-H. Münkner

Geboren 1935. Jurastudium in Marburg, Mainz und Berlin 1955 – 1961, Abschluss mit 1. juristischem Staatsexamen. Ausbildung als Genossenschaftsberater für Entwicklungsländer 1962/63, 1970 Promotion zum Dr. jur. am Fachbereich Rechtswissenschaften der Philipps-Universität Marburg, mit einer Arbeit zum afrikanischen Genossenschaftsrecht. 1972 Ernennung zum Professor für in- und ausländisches Gesellschaftsrecht und Genossenschaftslehre an der Philipps-Universität Marburg. 1972-1991 Mitglied des Direktoriums, von 1991 bis 2000 geschäftsführender Direktor des Instituts für Kooperation in Entwicklungsländern der Philipps-Universität Marburg. Seit 2000 im Ruhestand.Gastprofessuren: 1982-1988 Universität Padjadjaran (UNPAD), Bandung, Indonesien; 1993 Universität Paris V, René Descartes.
Forschungsschwerpunkte: Gesellschaftsrecht und Bodenrecht der Entwicklungsländer, insbesondere Genossenschaftsrecht (Gesetzgebungsberatung) und Selbsthilfeförderung in Afrika und Asien, Einsätze als Berater im Rahmen internationaler (FAO, ILO, UNIDO UNDAT, IFAD) und bilateraler Entwicklungszusammenarbeit (GTZ, FES, KAS) in Afrika, Asien, Pazifik, Lateinamerika. 1987-1991 Koordinator des Großprojekts der DG BANK „Strukturfragen der deutschen Genossenschaften“.
Gesetzgebungsberatung im Bereich Genossenschaftsrecht in Europa (Malta 1978/79); Afrika (Obervolta/Burkina Faso 1978-1980; Tansania 1982/83; Lesotho 1984; Guinea/Conakry 1985; Zimbabwe 1986-88; Kamerun 1990-92; Kenia 1994; Côte d’Ivoire 1995; Mauritius 1997); Asien (Singapur 1974/75; Thailand 1979/80 und 1994; Pakistan 1983; Malaysia 1989); Süd-Pazifik (Solomon Islands und Tuvalu 1987).

Mitgliedschaften: Seit 1973 Mitglied des Board of Trustees, seit 1992 Patron und seit 2009 Fellow der Plunkett Foundation for Co-operative Studies, Oxford. Seit 1974 Vorstandsmitglied der Gesellschaft für afrikanisches Recht. Mitglied des Grundwertekomitees und von der Reference Group für die Reform der Genossenschaftsprinzipien des Internationalen Genossenschaftsbundes (IGB), Genf (1990 bis 1995). 1994-1999 Mitglied des Beirates Bodenrecht und Bodenordnung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Eschborn. Mitglied der Faculté Européenne des Sciences du Foncier, Strasbourg. Seit 1990 Mitglied der Asociación Internacional de Derecho Cooperativo, Universidad de Deusto. Seit 1995 Ehrenmitglied der British Co-operative Law Association.

Prof. Dr. Hans Münkner ist ebenso Verfasser zahlreicher Bücher und Aufsätze über die Themen Genossenschaftstheorie, Recht der Selbsthilfeorganisationen, Selbsthilfeförderung, afrikanisches Bodenrecht, Recht und Entwicklung und Gesetzgebungsberatung.

Gemeinsames Wirtschaften hat einen besonderen Charme.

Entgegen aller Unkenrufe setzt sich das genossenschaftliche Format wieder verstärkt durch. Warum Sie jetzt das Rechts- und Sozialformat der Genossenschaft im Auge haben sollten.

Mehrere hundert Energie-Genossenschaften — zumeist als Gesellschaften von ca. 50 Mitgliedern gegründet und regelmäßig in kurzer Zeit zu Organisationen mit (zum Teil weit) über 100 Mitgliedern ausgebaut — existieren zwischenzeitlich über die ganze Republik verteilt. Das Jahr 2011 wird unzweifelhaft einen vorläufigen Höhepunkt der Gründungszahlen bedeuten. Dabei muss ein Ende dieser Gründungswelle nicht absehbar und auch nicht notwendig sein.

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Roundtable in Laubach: Der Genossenschaftsgedanke bringt auch Kommunen, Bürger und Unternehmen einander näher (Foto: wjk)

Das anspruchsvolle Ziel von 2000 Energie-Genossenschaften in Deutschland erscheint durchaus nicht als Utopie. Die Erkenntnis, das viele Tausend dezentrale Produktionsprojekte im Rahmen der eingeleiteten Energiewende realisiert werden müssen, spricht Bände.Die genossenschaftliche Handlungswelt ist potentiell zu weiten Sprüngen in der Lage. Bereits vereinfachte Planrechnungen zeigen auf, dass allein mit den bestehenden Agrar-und Wohnungsbau-Genossenschaften, den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den genossenschaftlichen Verbundunternehmen 30 Milliarden Euro Investitionen aufzubringen wären. Einlagen von Bürgerinnen und Bürgern erhöhen die Attraktivität der Genossenschaften vor Ort.

Die für eine neue Genossenschaft notwendigen Zutaten (z.B. Kapital, Fläche, Geschäftsmodelle) zum Betrieb des jungen Unternehmens steht in den Regionen regelmäßig zur Verfügung. Natürlich ist eine unterschiedliche Ausprägung beim Zubehör (z.B. Wissen, engagierte Bürger und Wirtschaftsunternehmen) feststellbar. So ist es tatsächlich die Region bzw. diejenigen, welche für die Regional-Wirtschaft und die regionale Lebensqualität verantwortlich sind, die als systematische Förderer und Mentor genossenschaftlicher Lösungen zu identifizieren wären. Erst langsam wird es klar, dass es sich bei den in Anlagen aufzubringende Gelder um Investitionen handelt, die unter anderen auch in der Hand von regionalen Investoren verbleiben sollen. Tatsächlich besteht die wohl einmalige Chance, weite Teile der Bevölkerung systematisch zum Anteilseigner gesellschaftlich relevanter Produktivgüter zu machen.

Die genossenschaftliche Welt ist aufgefordert, die bestehende Umbruchsituation für ihr kooperatives Handlungswissen — über das Energiethema hinaus — zu nutzen. Es gilt den gesellschaftlich Verantwortlichen und Bürgern ihre weltweit existierenden Modelle und Lösungen aufzuzeigen.

Wann gründen Sie eine Genossenschaft oder treten einer vorhandenen Genossenschaft als Mitglied bei?

Energiewende für alle

Ziel
Ziel der GEG ist es in Giessen — als kooperativ organisierte Unternehmung — Projekte der Energieproduktion (1), der innovativen Energieverwendung (2), der Energieeffizienz (3) und des Energie-Managements (4) zu betreiben.

Zentrale Akteure und Nutznießer der Arbeit der GEG sind die Bürger, kooperierende Unternehmen und der Lebensraum Gießen. Zentrales Erfolgskriterium ist die Erhöhung der Lebens- und Standortqualität.

Strategie, Struktur, Satzung
Um oben genannte Ziele zu erreichen sind die Hauptadressaten der GEG die Bürgerinnen/Bürger und deren Vertreter (öffentlichen Organen, Parteien, Vereinen und Verbänden). Es ist ausdrückliches Ziel, mit anderen kooperativen Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Diese sollen mit zu den ökonomischen und sozialen Gewinnern der Energiewende gehören. Dies gelingt dadurch, dass sie Anteile an der Giessener Energie-Genossenschaft erwerben, ihre Stimme, Erfahrung und Engagement in diese einbringen.

Gleichzeitig bindet die GEG auch Vertreter regionalen Wirtschaft und Dienstleister ein. Die einzelnen Leistungen zur Entwicklung und dem Betrieb von Energie-Produktionsstätten sollen durch regionale Akteure (Lieferanten, Handwerker, Banken und Versicherer etc.) erbracht werden. Gleiches gilt für die anderen Geschäftsbereiche der GEG eG. Es wird eine regionale Wertschöpfungskette initiiert, indem der Nutzen möglichst weitreichend bei den regionalen Investoren bleibt. Auch um möglichst viele Bürger einzubinden, ist es möglich sich je nach finanzieller Möglichkeit und Interesse ab 200 € (1 Anteil) einzubringen.

Um diese Ziele und Strategie umzusetzen, wird die GEG so strukturiert, dass die inhaltlichen Schwerpunkte (mittelfristig) durch je einen (Bereichs-) Vorstand und eine von diesem geleitete Arbeitsgruppe abgebildet sind.

Bereits zur Gründung sollen 4- 5 Bereiche etabliert werden: 1. Produktion 2. Effizienz- und Energie-Management 3. Anwendung / Mobilität 4. Mitgliederbetreuung und Kommunikation 5. Finanzen und Controlling. Ferner wird auch der mögliche Aufsichtsrat vorbereitet in dem die einzelnen Interessenlagen – vor dem gemeinsamen oben genannten Ziel — abgebildet sind. Je nach angezielter Größe kann der Aufsichtsrat 6-8 Personen umfassen. Die Satzung der GEG eG wird diesen Vorgaben folgend gegenwärtig erstellt und bis zum 1.11. an dieser Stelle eingestellt.

Zeitplan

Die Gründung der Genossenschaft ist für den 24.11.2011 ab 17.30 Uhr in der Messe Gießen (An der Hessenhalle 11) nach dem Kongress Kommunale-Kooperation vorgesehen und wird gegenwärtig vorbereitet. Bis dahin wird auch der notwendige Geschäftsplan abschließend entwickelt. Die Anerkennung bei einem Prüfverband und die Eintragung in das Genossenschafts-Register lassen davon ausgehen, dass die Genossenschaft zu Beginn März 2012 eingetragen ist. Bis dahin liegen die ersten Projektplanungen auf Grundlage der Ausarbeitungen des Vorstandes, Aufsichtsrates und der Projektgruppen vor.

Machen Energie-Genossenschaften Sinn?
Dass es aus vielfachen Gründen lohnend ist Mitglied einer Energie-Genossenschaft zu werden, kann vorausgesetzt werden.

An dieser Stelle soll sich der Blick nicht nur auf die finanziellen Renditeerwartungen und die Teilhabe der Bürger am wirtschaftlichen Geschehen der Bürger richten. Auch die praktische Demokratisierung politischen Willens oder die Aussagen zahlreicher Mitglieder von Energie-Genossenschaften, dass diese das soziale Leben der Gemeinde positiv befruchteten, lässt sich hier anführen.

Der Verweis dass gegenwärtig in zahlreichen Städten und Regionen Energie-Genossenschaften gegründet werden, muss allein auch keine hinreichende Legitimierung sein.

Machen Sie mit!

Energiewende 2011 – und was nun?

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4. Fachtagung „Regionale Energieversorgung gestalten“ – Mittwoch, 26. Oktober 2011 am Firmensitz der juwi-Gruppe in Wörrstadt (Foto: Wilfried J. Klein)

Eine effiziente und nachhaltige Energieerzeugung, Energieversorgung und Energienutzung ist die zentrale Zukunftsaufgabe unserer Gesellschaft. Die Lösung dieser existenziellen Frage muss zugleich anderen grundlegenden gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen gerecht werden.

Im Ergebnis gehört die Zukunft der Energieherstellung und Energiesicherung in die Regionen. Nur so ist es möglich, das jeweils bestmögliche Energiemanagement zu definieren und die Wertschöpfung weitgehend wieder in die Regionen zurückzuführen. Um diese Ziele zu erreichen, müssen Bürger, öffentlich-kommunale Vertreter und Wirtschaft abgestimmt zusammenarbeiten. Vielfältige Beispiele beweisen, dass dies im Wirtschaftsformat der Genossenschaft gelingen kann.

GenoFutura-AWARD: Call for Papers

Prof. Dr. Wolfgang George

Prof. Dr. Wolfgang George

Ausgangssituation

Neue Lösungen der Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand, der regionalen Wirtschaft und den Menschen vor Ort sind gefragter denn je.

Grund hierfür sind sich verändernde äußere Rahmenbedingungen, aber auch neue Werte und Orientierungen der Menschen.

Die in einer Stadt oder ganzen Region erreichte Zukunfts- fähigkeit hängt dabei von zahlreichen Kriterien ab:

  • Güte und Vielfalt der vorschulischen und schulischen Angebote
  • Qualität der Gesundheits- und Pflegeversorgung
  • Möglichkeiten zum Einkauf
  • Bezahlbarkeit des Wohnens
  • Möglichkeiten der Freizeitgestaltung

Klar ist auch hier: die Region in welchen die Beteiligten gut miteinander kooperieren die besseren Angebote vorhalten kann.

Im Rahmen des 2. Kongresses: „Kommunale Kooperation: Regionales Zukunftsmanagement“ am 24. November in Gießen, verleihen wir den GenoFutura AWARD 2011 für bereits umgesetzte Projekte der kommunalen Zusammenarbeit.

Gestaltung des Exposes

Das Expose sollte wie folgt aufgebaut sein:

1. Beschreibung der Ausgangslage
2. Benennung der Zielsetzung
3. Art des Vorgehens / Programm und Inhalte
4. Ergebnisse des Projektes
5. Wie soll das Projekt / Thema weiterentwickelt werden
6. Kurzzusammenfassung
7. Beteiligte Partner

Art der Übermittlung

Das Expose für den GenoFutura-AWARD 2011 ist postalisch, bitte in 2 facher Ausfertigung, an folgende Adresse zu senden:

Andramedos eG
Geno-Futura AWARD 2011
Jahnstraße 14
35394 Gießen

Annahmeschluss: 20.10.2011

30 Mrd € Investition durch Energie-Genossenschaften möglich

Die neuen regenerativen Energien müssen finanziert werden. Dabei sind sich alle Experten einig, dass diese Investitionen zu Produktionsstätten in der Fläche — auf dem Lande — führen werden. Wer anderes als die dort lebenden Menschen sollten die Investoren sein?

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Wilfried J. Klein: Können Sie uns die notwendigen Investitionen ein wenig erläutern?

Wolfgang George: Bei den Anlagen handelt es sich um Produktivgüter, die auf diese Weise in die Hände von Vielen gelangen könnten. Wenn die regionalen Banken gemeinsam mit den Bürgern und der regionalen Wirtschaft handeln, können leicht bei nur 5.000 neuen Produktionsstätten 30 Milliarden € regionales Kapital aufgebracht werden. Dies ist kein unrealistisches Szenario.

Wilfried J. Klein: Wie wollen Sie das regional notwendige Kapital aufbringen und wie hoch ist die Investitionssumme für einen einzelnen Anleger?

Wolfgang George: Als Grundlage für die Rechnung kommt ein genossenschaftliches Kapitalisierungs-Modell in Frage, welches es leicht ermöglicht, diese Investitionssumme zu mobilisieren. Als Grundlage für die Planrechnung reicht eine Einlage von nur 1000 €.

Was gegenwärtig fehlt ist eine geeignete Kampagne etwa durch die Genossenschaften bzw. die regionalen Banken, Wirtschaftsverbände bzw. Parteien und Bürgervertreter vorgetragen.

Wilfried J. Klein: Vielen Dank für das Interview.

Politik bezieht Bürger bei der Zukunftsgestaltung Deutschlands nicht mit ein.

„Wir sind über den bisherigen Verlauf der Gespräche von Politikern und Experten zur Gestaltung der angekündigten Energiewende unter dem Strich sehr enttäuscht“. So äußerte sich Wolfgang George, Sprecher der ARGE Energie-Genossenschaften, anlässlich eines Forums im Bioenergiedorf Oberrosphe.

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Einige Teilnehmer der 3. Konferenz der Energiegenossenschaften in Oberrosphe

In nahezu allen, bisher geführten Diskussionen, sind nach Aussage von George insbesondere zwei wesentlich Aspekte in ihrer wechselseitigen Verstärkung nicht klar herausgearbeitet.

Erstens, der mit dem Umbau auf eine dezentrale Energieversorgung entstehende regionale Wertschöpfungsprozess führt von Beginn an dazu, dass zeitnahe bis zu 80% des Ertrages in der Region verblieben.

Wenn die Politiker den Bürgern schon Angst machen will, dann eigentlich nur davor, dass die Land- und Forstwirte die Ölscheichs von Morgen werden könnten.

Zweitens, alle Experten und Politiker sind sich dahingehend einig, dass die Bürger einbezogen werden müssten. Sie allein identifizieren keinen stabilen Weg wie dies ohne den Bürger auch tatsächlich gelingen kann.

Dabei sei auch hier die Antwort denkbar einfach: Die Bürger müssen ebenfalls zu den ökonomischen Gewinnern der Energiewende gehören. Hier braucht man kein neues Rechts- und Sozialformat zu erfinden, denn Genossenschaften gibt es schon seit mehr als 150 Jahren. Regionale Genossenschaften sind verlässliche Konstrukte, in denen neben den Bürgern auch die Kommunen und die regionale Wirtschaft eingebunden werden können. Produzenten, Lieferanten und Verbraucher befinden sich in einem Boot.

„Gelingt hier eine vernünftige Balance der Interessen, werden auch nicht alle Menschen über Nacht zu Fans der regenerativen Energien. Wir möchten die Diskussionen ohnehin auf einem lösungsorientierten Niveau führen“, so die Aussage von Hans-Jochen Henkel, Vorstand des Bioenergiedorfes Oberrosphe.

„Die meisten Menschen haben inzwischen ein Bild davon, was ein Bioenergiedorf ist. Aber sie wissen nicht, dass die meisten Bioenergie-Dörfer in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft organisiert sind. So geht es auch den Politikern“.

Die Botschaft der Arbeitsgemeinschaft ist eindeutig und zugleich deren Leitvison: Überall womöglich, dezentral und zugleich miteinander verbunden Energie-Genossenschaften zu gründen und durch eigene Energieproduktion einen Beitrag zur Zukunftsgestaltung Deutschlands beizutragen. Genossenschaftlich organisierte Energieproduktion bedeutet dabei für die ARGE, dass die Bürger grundsätzlich mit einbezogen werden.

Fachwissen für erneuerbare Energien

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HZW-Team in Gießen (Foto: wjk)

Zum „Zertifizierten Fachberater für Energie- entwicklungsprojekte“ qualifizieren sich an der Technischen Hochschule Mittelhessen Mitarbeiter von Volks- und Raiffeisenbanken weiter. Sie sind im Firmen- und Privatkundengeschäft für den Bereich Energie verant­wortlich. In drei Monaten werden sie den 140-stündigen Lehrgang des Hochschulzentrums für Weiterbildung (HZW) abgeschlossen haben. Kooperationspart­ner ist der Genossenschaftsverband e.V. Frankfurt/Hannover. Der Kurs vermittelt tech­nisches Wissen zu den Themen Windkraft und Photovoltaik, zu Biogasanlagen und Nahwärmenetzen. Projektentwicklung, Finanzierungsmöglichkeiten und Rechts- und Gesellschaftsformen sind weitere Lehrgangsinhalte.

„Erneuerbare Energien sind ein Betätigungsfeld mit ungeheuer großem Potenzial für uns“, begründet Uli Halmer, Leiter der Personalabteilung bei der Volksbank Dill, die Entsendung eines Mitarbeiters in den Kurs: „Wir wollen Kompetenz zeigen gegenüber unseren Firmenkunden.“Ein weiterer Kurs zum gleichen Thema beginnt im September. Er wendet sich an Inge­nieure und Techniker. Im Mittelpunkt dieses Lehrgangs steht die Vermittlung von Kenntnissen des Projekt- und Regionalmanagement, des Aufbaus von Gruppen, der Rechts- und Wirtschaftsformen sowie der Kommunikation und des Marketings. Koope­rationspartner ist die Akademie der Ingenieure in Stuttgart/Ostfildern.

An kommunale Beschäftigte und Politiker wendet sich ab Oktober der Kurs „Kommu­naler Energiemanager“ in Gießen. „Die aktuelle Diskussion um Fukushima, Ausstieg aus der Kernenergie und Klimaschutz erhöhen die Bereitschaft auf allen Seiten, tätig zu werden“, betont der für die Lehrgänge verantwortliche Prof. Dr. Wolfgang George. Bei diesem Kurs kooperiert das HZW mit dem Deutschen und Hessischen Gemeindetag.

Wer sich für die Angebote des HZW interessiert, kann telefonisch (0641-309-4011) oder per E-Mail (tina.weiss@hzw.fh-giessen.de) weitere Informationen erhalten.

Alte Trampelpfade verlassen.

Breitband-Kommunikation in Mittelhessen muss den Markt auf breiter Basis abbilden und zügig vorangetrieben werden – Finanzierung des flächendeckenden Ausbaus sollte „auf mehr Schultern“ gelegt werden

Als typische Infrastrukturmaßnahme lässt sich die Breitband-Kommunikation zu den öffentlichen Aufgaben zugehörig charakterisieren. Das Land Hessen allein kann nicht die hierzu notwendigen Investitionen tragen, kann nur begrenzte Fördermittel bereitstellen. Den Stand des Ausbaus der Breitband-Kommunikation in Hessen kann man unter www.hesbis.de ermitteln.

So sind auch Kommunen und Landkreise zusammen mit privaten Investoren gefordert, in den Markt einzutreten. Der Landkreis Gießen hat in einer Verlautbarung vom 15. November 2010 die Gründung einer „Breitband Mittelhessen GmbH“ in Aussicht gestellt. Angesichts der knappen öffentlichen Haushalte ist das Risiko von Finanzierungslücken bei einer GmbH mit nur wenigen Gesellschaftern als hoch einzuschätzen.Der zügige Ausbau der Breitband-Kommunikation ist auch deshalb von Nöten, weil nur noch wenige IP-Adressen im IPv4-Adressraum vorhanden sind, die die Adressierung und das Routing von Datenpaketen regeln und die Umstellung auf das IPv6-Verfahren noch Zeit beansprucht. Man rechnet damit, das die IP-Adressen nur noch bis zum März 2011 reichen.

Eine Alternative zur GmbH böte die Gründung einer Genossenschaft, in der auch die Bürgerschaft (Unternehmen und Privathaushalte) eingebunden werden könnten, wie dies bei PPP-Projekten (Public Private Partnership) nicht ungewöhnlich ist. Neben dem Charme des Genossenschaftsmodells, Kunden der Breitband-Kommunikation mit einzubinden, steht auch Pate für eine Vitalisierung gemeinsamen, demokratischen Handelns unter klar definierten ökonomischen Zielen.

Dies wäre ein gutes Signal von Politikern für mehr Bürgerbeteiligung. Für mehr „Kommunale Kooperation“ wirbt auch der erste internationale Fachkongress mit gleichem Namen, der am 25. November 2010 in Gießen stattfindet.

Welche Bedeutung hat die kooperative Ökonomie?

kooperative Ökonomie

Welche Bedeutung hat die kooperative Ökonomie? – Dr. Jürgen Dieter, geschäftführender Direktor Hessischer Städtetag

Auch auf den großen hessischen Städten lastet ein erheblicher Kostendruck. Eine Antwort der Länder lautet Gemeinde- und Gebietsreform. Wie schätzen Sie die Situation in Hessen ein. Stehen wir vor einer neuen Gebietsreform die auch das Verhältnis der Städte zu ihrem Umland betrifft?

In Einzelfällen erscheint es sinnvoll, zwei Städte zu fusionieren. Angesichts einer Zahl von 60 Mitgliedern des Hessischen Städtetages mit einer Zahl von unter 50.000 Einwohnern sind solche Lösungen auch innerhalb unseres Verbandes denkbar.

Der „große Wurf“ einer Gebietsreform könnte aber nur erfolgen, indem man stärker regionalisiert. So könnte eine große Gebietsreform im Rhein-Main-Gebiet durch eine völlig neue Organisationsstruktur mit starken Städten als Regionalverband ohne Landkreise entstehen. Für ein solches Ziel sehe ich aber auf absehbare Zeit keinen hierfür notwendigen breiten politischen Konsens.

In welchen Bereichen der Aufgabenteilung zwischen Land, Kreis und Gemeinden sehen Sie die größten zu bergenden Ressourcen?

Grundsätzlich gibt es keine Aufgabe, die nicht in den Kommunen bürgernäher, effektiver und kostengünstiger zu erbringen wäre. Die „große Politik“ weiß dies auch, sonst würde sie uns nicht bei Bildung und Erziehung, bei Pflege, bei Grundsicherung für Arbeitssuchende, Sozialhilfe, Infrastruktur und Energiepolitik immer mehr Aufgaben überantworten. Unser Problem: Auch wenn die Kommunen kostengünstig arbeiten: In der Regel überlässt man uns viel zu wenige Finanzmittel, um die Aufwendungen für neue oder veränderte Aufgabe zu finanzieren.

Für einzelnen Städte wird es trotz bester Bemühungen der Konsolidierung eng werden. Was wurde in diesen Städten versäumt?

Ihre Ausgangsthese ist zutreffend. Daraus lassen sich aber nicht zwingend Versäumnisse ableiten. Die „von oben“, also von Bund und Land vorgegebenen Aufgaben sind mittlerweile in einer Weise gewachsen, dass man in vielen Städten „von einem nicht kommunal verursachten strukturellen Defizit“ sprechen muss. Was nicht hausgemacht ist, ist regelmäßig kein Versäumnis.

Nicht auszuschließen sind Versäumnisse im Einzelfall, also finanzielle Engpässe, welche eine Gemeinde hätte vermeiden können. Diese Ursachen müssen individuell ermittelt und geklärt werden. Wir haben nicht den Eindruck, dass solche individuellen Fehlsteuerungen in unseren Städten signifikant und häufig vorkommen.

Was können die Städte unternehmen um zukunftsfähige Abstimmungen zu den Umlandgemeinden aufzubauen? An welche Projekte denken Sie?

Multilaterale Beziehungen zwischen zentralen Orten und ihren Umlandkommunen lassen sich am besten mit eindeutigen Zielvereinbarungen für eine arbeitsteilige Organisation darstellen. Idealer Weise münden sie in eine auf die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Region zugeschnittene Verbandstruktur, die gleichzeitig Doppelstrukturen meidet. Es ist prinzipiell schädlich, neue politische Ebenen zu schaffen, ohne mindestens dieselbe Zahl an bestehenden Ebenen abzuschaffen.

Bisher gibt es dafür noch keine ganz ausgereiften Beispiele. Man sehe nur auf die mühsame und durchaus nicht ohne Erfolg geleistete Arbeit für einen Regionalverband in Kassel.

Betrachtet man Hessens größte und am meisten verdichtete Region Rhein-Main, so sind dort besondere Beziehungen zu beachten. Trotz der an die 700.000 wachsenden Zahl ihrer Einwohner liegt Frankfurt als Mainmetropole in einer polyzentrischen Region, in der sie eine Vielzahl von „Umlandgemeinden“ mit eigener oberzentraler Funktion um sich weiß. Hierfür hilft nur ein spezielles Konzept, dass die Region nach vorne bringt und gleichzeitig die unterschiedlichen Interessen der vielen starken Städte in der Region auf möglichst gleicher Augenhöhe ausgleicht.

Worin unterscheiden sich die zukunftsfähigen von zu problematisierenden Städten?

Keine Stadt ist ohne Zukunft und keine Stadt ist ohne Probleme. Besonders zu achten hat die Politik auf die Städte, deren Bewohner im Mittel stärker auf die Unterstützung der Gemeinschaft angewiesen sind als in anderen Kommunen. Sie erbringen einen Beitrag auch für andere Städte, denn eine Stadt, die viele Menschen in sozial schwierigen Verhältnissen beherbergt, nimmt anderen Kommunen diese Aufgabe ja zu großen Teilen ab. Für diese Leistung verdient die betreffende Stadt einen angmessenen Ausgleich.

Nicht allen Kommunen, die von massivem Bevölkerungsverlust durch Abwanderung und/oder demografischen Wandel betroffen sind, wird die Gemeinschaft zu alter Stärke zurück verhelfen können. In solchen Regionen gilt es gerade die zentralen Orte zu stärken. Dort kann man mit schwindenden finanziellen Ressourcen noch Lebensumstände (öffentliche Infrastruktur / private Einrichtungen von ärztlicher Versorgung bis zum täglichen Einkauf) organisieren, welche die Region dann immer noch für eine größere Zahl von Menschen attraktiv belassen.

Die Rolle des Bürgers und bürgerschaftlichen Engagements soll zukünftig bis hin zur Ermöglichung der Daseinsvorsorge eine größere Rolle einnehmen. Wie schätzen Sie diese ein?

Bürgerschaftliches Engagement ist eine wichtige Basis, um das nähere Lebensumfeld mit Leben zu erfüllen, insbesondere andere Menschen und Einrichtungen solidarisch zu unterstützen und Erfolge auch ohne großen staatlichen Mitteleinsatz vor allem in sozialen, kulturellen, sportlichen und ökologischen Feldern zu erzielen.

Man muss aber die Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements nicht überschätzen. Die Herausforderung an die bundesdeutsche Gesellschaft, mit immer geringeren Alterskohorten in den heranwachsenden Jahrgängen im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, die Erwartung gerade an die jüngere und mittlere Generation, Beruf, Kindererziehung und häufig auch Pflege der vorgängigen Generation zu leisten und zu organisieren, setzt Grenzen.Die Gesellschaft darf mit Engagement rechnen, sich darauf aber nicht abstützen. Als Beispiel diene die häusliche Pflege, ohne die wir in Deutschland längst ein Chaos im Pflegebereich hätten, die aber auf Grund der vorbeschriebenen Rahmenbedingungen nicht mehr alleine die Aufgaben der kommenden Jahrzehnte wird lösen können.

Natürlich wissen Sie, dass dieses Interview mit einem Journal des Genossenschaftswesens geführt wird. Es interessiert uns einen erfahrenen Kommunalgestalter wie Sie nach seinen Erfahrungen mit Genossenschaften zu fragen?

Die Bezeichnung „Kommunalgestalter“ ehrt. Dennoch sind meine persönlichen Erfahrungen mit Genossenschaften nicht sehr zahlreich. Ich habe erfahren, dass Genossenschaften gerade im Wohnungsbau mittlerer Städte und in der Seniorenbetreuung beträchtliche Erfolge verzeichnen dürfen.

Glauben Sie – wie wir es natürlich tun – dass der kooperativen Ökonomie wieder eine stärker Bedeutung zukommen wird und wenn ja, in welchen Bereichen der Städte sehen Sie dies?

Angesichts der drängenden Probleme unserer Zeit ist es klug, die Erfolgsmöglichkeiten des auf Gegenseitigkeit beruhenden Miteinanders auch auf seinen ökonomischen Erfolg hin einzusetzen. Das spricht für die von Ihnen so bezeichnete „Kooperative Ökonomie“. Je mehr Beispiele praktischer Wirkung und nachgiewesenen Erfolges Genossenschaften aufweisen können, desto mehr werden sie ihren Platz als Problemlöser finden. Ihren Schwerpunkt sehe ich auf den „klassischen Feldern“ von Wohnungsbau, sozialen Einrichtungen, vielleicht auch auf dem Gebiet von Sport und Kultur.

Ob sie darüber hinaus geeignet sind, kommunale Aufgaben zu übernehmen, zum Beispiel interkommunale Zusammenarbeit, muss der Praxistest zeigen.

Das nächste Jahr 2012 ist das Jahr der Genossenschaften. Was würden Sie uns für dieses Jahr wünschen?

Werben Sie weiter für Ihre Idee. Sie hatten ja keinen schlechten Start.

Vita Dr. Jürgen Dieter

Dr. Jürgen Dieter ist seit dem 1. September 1997 Direktor des Hessischen Städtetages, seit 1.12008 Geschäftsführender Direktor.

Jürgen Dieter ist am 8. März 1955 in Hessens südwestlichster Stadt Lampertheim geboren. Er ist Vater zweier erwachsener Kinder. Der promovierte Jurist war seit 1981 fünf Jahre Richter, acht Jahre Abgeordneter des Hessischen Landtags und für gut drei Jahre Bürgermeister seiner Heimatstadt. Rund 25 Jahre war er auf unterschiedlichen Ebenen ehrenamtlicher Kommunalpolitiker.

Kooperation intensivieren

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FH-Präsident Prof. Günther Grabatin im Gespräch mit dem Leiter der Gießener Arbeitsagentur Eckart Schäfer, Gunter Ratz vom Hochschulteam der Arbeitsagentur und den FH-Vizepräsidenten Prof. Axel Schumann und Prof. Harald Danne (von rechts).

Gießen, 19. Oktober 2010 – Die Gießener Arbeitsagentur will ihre Beratungstätigkeit für Akademiker und junge Leute, die ein Studium beginnen möchten, ausbauen. Sie will dabei enger mit den Hochschulen der Region zusammenarbeiten. Das ist eines der Hauptergebnisse eines Gesprächs zwischen Prof. Günther Grabatin, Präsident der FH Gießen Friedberg, den Vizepräsidenten Prof. Harald Danne und Prof. Axel Schumann und dem Leiter der Arbeitsagentur Eckart Schäfer.„Wir wollen nicht nebeneinander arbeiten, sondern gemeinsam etwas für die Region tun“, so Danne, der die bisherige Zusammenarbeit der Zentralen Studienberatung der FH und des Hochschulteams der Arbeitsagentur lobte. Besser koordinieren wolle man aber noch die Betreuung der Gymnasien und Fachoberschulen in Mittelhessen.

Ein Kooperationsfeld sehen die beiden Einrichtungen auch in der Weiterbildung. FH und Arbeitsagentur haben bereits gute Erfahrungen mit dem Fortbildungsprogramm „QualifizierungPlus“ gesammelt, in dem arbeitslose Ingenieure über 40 individuell auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vorbereitet wurden. Ein ähnliches Projekt halten Grabatin und Schäfer auch für Berufstätige, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, für sinnvoll. „Wir müssen gemeinsam alles dafür tun, dem zunehmenden Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften Rechnung zu tragen“,  so Schäfer.

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FH-Präsident Prof. Günther Grabatin im Gespräch mit dem Leiter der Gießener Arbeitsagentur Eckart Schäfer, Gunter Ratz vom Hochschulteam der Arbeitsagentur und den FH-Vizepräsidenten Prof. Axel Schumann und Prof. Harald Danne (von rechts).

Sind Genossenschaften im Aufwind?

brainstorming300Es gibt sie tatsächlich die Renaissance der Genossenschaften: mit zunehmender Geschwindigkeit sind in den letzten 10 Jahren 1000 neue Genossenschaften deutschlandweit, insbesondere in den Branchen Gesundheitswesen, Energiewirtschaft, Soziales Leben und Wohnen, Bildung und auch im öffentlich-kommunalen Umfeld gegründet worden. Trotzdem ist man im Genossenschaftswesen mit dem bisher Erreichten nicht dauerhaft zufrieden.

„Das Potential genossenschaftlicher Gründungen ist nach unseren Markt- und Wettbewerberanalysen mindestens 10-mal so groß“, so Prof. Dr. Wolfgang George von der Fachhochschule Gießen Friedberg. „Das Wiederkennen der Bedeutung der Regionalökonomie und die schwierige Lage der kommunalen Haushalte lassen vermuten, dass wir allein in diesem Handlungsfeld erst am Anfang einer bedeutsamen Entwicklung stehen“, schätzt George die Lage ein und „… auf diese Weise könnte es gelingen, die von allen Seiten geforderte Bürgergesellschaft — nun auch wirtschaftlich begründet – in einem 3. Sektor tatsächlich auf den Weg bringen. Das geht nicht allein öffentlich und auch nicht privat bzw. ehrenamtlich“.

Die Geschäftsmodelle zahlreicher Genossenschaftsgründungen würden Ähnlichkeiten zu denen von Teamgründungen besitzen. Obwohl von allen Experten gefordert, weil vernünftig und von den Leistungs- und Marktanforderungen berechtigt, blieben auch diese bis heute hinter ihren prognostizierten Möglichkeiten zurück. Laut George „… ist wichtig, dass die in den Regionen verantwortlichen Gestalter aus Wirtschaft, Politik und Bildung in einem ersten Schritt den für die Region bestehenden Existenzgründungsbedarf identifizieren, dann wird nicht nur klar wo Bedarf existiert sondern auch auf welchen Baustellen Teamgründungen und die Regeln der kooperativen Ökonomie notwendig sind.“ Dieses aktive Vorgehen ergänze das bisherige System in welchem die Initiative maßgeblich vom Gründer ausgeht.

Wir brauchen in Deutschland mehr Teamgründungen

wolfgang-george-im-gesprachImmer wieder ist es von Unternehmens- und Wirtschaftsverbänden aber auch von Wissenschaftlern zu vernehmen, dass zu wenige Unternehmensgründungen durch größere Gruppen bzw. einem Gründungsteam vorgetragen würden. Es bleibt bei Absichtserklärungen und der Erkenntnis, dass dies eine wünschenswerte Alternative zu den üblichen Existenzgründungen von einer bzw. 2-3 Unternehmensgründer ist, allein einen wirklichen Anteil des Gründungsgeschehens machen sie bis heute nicht aus.

Wir können doch nicht immer nur nach dem Staat rufen.

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Das Auditorium in Heuchelheim (Foto: Wilfried J. Klein)

Arbeitsplätze schaffen – eine gemeinsame Aufgabe von Kommune und Bürgern

Das Thema „Neue Arbeitswelten in Heuchelheim“ führte in der dortigen Turnhalle einen kleinen Kreis interessierter Bürger und Kommunal- verantwortlicher zusammen. Bürgermeister Steinz hatte zu diesem, nicht nur für die Gemeinde Heuchelheim wichtigen Thema eingeladen. Auf dem Podium hatten sich neben dem Bürgermeister, Geschäftsführer Peter Momper von der Klima- und Energieagentur Mittelhessens, Heiko Schuster als ortsansässiger Handwerker, Marco Sankewitz, Teamleiter der Bundesagentur für Arbeit (BA), der Zukunftsforscher Karl-Heinz Thiess (Network-Consulting) und Dr. Heinz-Otto Weber, Geschäftsführer des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Marburg (ifG Marburg) unter der Moderation von Prof. Dr. Wolfgang George (Kooperatives-Mittelhessen) zusammengefunden.

Die Experten waren sich rasch dahingehend einig, dass die absehbaren bzw. bereits eingetretenen Veränderungen der Arbeitswelt auch in Heuchelheim ihren Ausdruck fänden. Lückenlose Erwerbsbiographien würden zukünftig nur noch wenige für sich beanspruchen können, zu groß seien Anpassungsdruck auf Branchen und Anforderungen der (globalisierten) Märkte. Von einer durchaus soliden Ausgangsposition in Heuchelheim ausgehend, dass einen bis heute industriell geprägten Arbeitsmarkt aufweise, müsse man sich auch hier auf die Veränderungen einstellen, betonte Bürgermeister Steinz. Jenseits der großen Betriebe müssten vermehrt kleine und mittelständige Gründungen und Ansiedlungen gelingen.

In der Expertenrunde war man sich rasch dahingehend einig, dass das Thema Energie und hier insbesondere die regional organisierte Energieerstellung und Versorgung eine der großen Chancen für eine nachhaltige Konsolidierung der Arbeitswelt bieten könnte. Erhebliche Investitionen stünden bevor, insbesondere in die bislang noch viel zu kurz gekommene Energieeffizienzerhöhung der Häuser, so Peter Momper. Dieser führte eine Beispielrechnung aus, in welcher allein im Landkreis Gießen eine Investitionssumme von 2 Mrd. € anstünde, wenn alle Häuser entlang der formulierten und verabschiedeten Klimaschutzziele saniert würden.

Solch eine volkswirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Leistung ist nach Ansicht von Heinz-Otto Weber umfassend nur in einem kooperativ-ökonomischen Geschäftsmodell nachhaltig leistbar. Einem mitgliedernutzenbasierten Gemeinschaftsmodell, in dem neben Eigenleistung und nachbarschaftlich-unterstützendem Bürgerengagement auch das Engagement und vielfältige Leistungsangebot der ortsansässigen Handwerker, Dienstleister und anderen mittelständigen Arbeitgebern zum Nutzen aller Beteiligten miteinander verbunden werden müsste. Die gemeinsame Ziel- und Motivationslage führe zu einer förderwirtschaftlichen Zweckgemeinschaft aller Nutzer, für die und ihre Vernetzung mit anderen Projekten die Genossenschaft (eG) die passendste Vereinigungsform sei.

Neben dem Energiethema, sei die Gesundheitswirtschaft und hier insbesondere der Umgang mit den Anforderungen, die sich aus der demographischen Entwicklung, einem weiteren Megatrend mit erheblichen Auswirkungen auf die zukünftige Arbeitswelt, zu nennen.. Man müsse sich wohl von der bisher als stabil angesehenen Trennung von Lebens- und Arbeitswelt verabschieden. Viele Tätigkeiten – gerade im Dienstleistungsbereich – könnten zunehmend auch aus einem Home-Office betrieben werden. Lange Anfahrten zur Arbeitsstelle entfallen und geringer werdende Löhne bei zugleich steigender Lebensqualität eröffneten neue Alternativen, so der angereiste Zukunftsforscher Karl-Heinz Thiess.

Marco Sankewitz betonte in seinen Ausführungen die Bedeutung der Rückbindung der Arbeit in den regionalen Handlungsraum der Unternehmen und zugleich den Lebensraum der Arbeitssuchenden. Die Optimierung der Zusammenführung der sich hieraus ergebenden Arbeitsmöglichkeiten sei eine wichtige Zielgröße der BA. Genaue Kenntniss der jeweiligen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Arbeitgebern und Arbeitslosen seien hierfür Voraussetzung sowie für gelungene Projekte, die auf allen Seiten Gewinner zurückließen. Das Arbeitsfeld Energiewirtschaft sei exemplarisch gut geeignet die Akteure zusammenzuführen. Das unterstützende Engagement der BA in solchen Projekten sei für ihn selbstverständlich.

Nach der gemeinsam – und unter Einbindung der anwesenden Gäste –vorgenommenen Ausgangsbestimmung galt die zweite Gesprächsrunde den konkreten Möglichkeiten des praktischen Vorgehens in Heuchelheim. Wo und mit wem könne man als erstes anpacken, und wie dabei zugleich bürgerschaftliches Engagement entfachen?
Zwei schon greifbarere Ideen entwickelten sich im Verlauf der nun anschließenden Aussprache zwischen Podiumsgästen und anwesenden Besuchern. Bürgermeister Steinz formulierte hierbei die Überlegung, ob es nicht möglich sei, ein Pilot- oder Modellprojekt rund um das ja bereits existierende „Heuchelheimer Haus“ zu initiieren. Es müsse doch möglich sein, hier unter breiter Einbindung aller potentiell Interessierter aus Bürger- und Handwerkerschaft ein handlungsfähiges Bündnis zusammenzuführen.

Genauso aufgeschlossen zeigten sich alle Anwesenden der Überlegung einen Plan zur bürgernahen, energetischen Sanierung der Häuser und Immobilien Heuchelheims auf den Weg zu bringen. Gerade hier könnten Nachbarschaftshilfe, zu allererst natürlich die betroffenen Immobilienbesitzer selber, Handwerker und eben alle benötigten Gewerke zu einer Interessengemeinschaft und einem gemeinsamen Antritt zusammengeführt werden. Erinnert wurde an den bedeutsamen Sektor der deutschen Wohnbaugenossenschaften, die es bekanntlich in viel schwieriger und sehr kurzer  Zeit nach dem 2. Weltkrieg geschafft hätten, Wohnraum für Millionen Menschen zu erstellen.

Das nächste Treffen wird im September 2010 stattfinden. Der Bürgermeister wird erneut zum Gespräch einladen, die Expertenrunde eine erste Projektskizze als Grundlage zur weiteren Diskussion und dem möglichen Vorgehen vorstellen. Das Wichtigste ist aber, die interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürger Heuchelheims zu gewinnen!

ARGE (Arbeitsgemeinschaft) Energiegenossenschaften gegründet.

Am 29.5.2010 trafen sich im Bioenergiedorf Oberrosphe (10km nördlich von Marburg) über 60 Vertreter von Energiegenossenschaften u.a. aus Hessen, Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bremen, Niedersachsen und Nord-Rhein Westfalen.

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Teil der Teilnehmer am 29.5. 2010 in Oberrosphe

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es die Zusammenarbeit zwischen den genossenschaftlichen Unternehmen, den Bekanntheitsgrad der bereits existierenden Lösungen regional und bundesweit zu erhöhen und deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufzuzeigen. Dies gilt sowohl auf Seiten der Politiker und Wirtschaftsverbände als auch auf Seiten sich interessierender Bürger, öffentlich- und regional Verantwortlichen. Auch sollen Neugründungen systematisch gefördert werden.Einig waren sich die Anwesenden, dass das Potential der regenerativen Energien nur dann zugunsten lebenswerter Bedingungen in den Regionen erschlossen werden kann, wenn es gelingt möglich viele Bürger und auch Unternehmen der Regionen miteinzubeziehen. Diese flächendeckende Zusammenarbeit gilt als ein Beitrag zur Sensibilisierung der Themen Umwelt, Klimawandel und des Themas „Bürger als Unternehmer“.

Der Aufbau einer ortsnahen, dezentral und regenerativ organisierten Energieversorgung bietet hierfür eine einmalige Chance, die Wertschöpfung in der Region zu bergen, für dieselbe bereit zu stellen und die ortsansässige Wirtschaft, Bürger und Gemeinden profitieren zu lassen. Einig war man sich, dass die Genossenschaften eine bisher fast unbemerkte, aber große Wirtschaftskraft darstellen.

Damit die Ziele der ARGE erreicht werden können, wurden 8 Arbeitsgruppen gebildet die die dringendsten Fragestellungen und Herausforderungen der Energiegenossenschaften, wie z.B. Lobbyarbeit, Finanzierung, Vernetzung zur gegenseitigen Unterstützung bündeln, um daraus für die einzelnen Projekte das bestmögliche Ergebnis zu entwickeln.

Die Energiegenossenschaften bekommt damit endlich auch ein Sprachrohr in den Landeshauptstädten und Berlin.

Die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppen, die zukünftige Konstitution und wie das Programm der ARGE zukünftig aussehen soll, wird in einem zweiten Treffen vorgestellt. Dies wird bereits am 30. Oktober 2010 —  erneut in Oberrosphe – stattfinden. Bis dahin will man auch noch weitere Energiegenossenschaften ansprechen und einbinden.

Leitbild der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Energiegenossenschaften

1 Vision
Überall wo dieses möglich ist sollen dezentral und zugleich miteinander verbunden Energiegenossenschaften entstehen. Sie sollen durch Energieproduktion und -management einen wesentlichen Beitrag zur zukünftigen Gestaltung des deutschen Energiesektors leisten. Genossenschaftlich organisierte Energieproduktion heißt für uns, dass die Bürger grundsätzlich einbezogen werden.

2 Mission und Strategie
Um diese anspruchsvolle Vision in die Praxis umzusetzen, müssen wir nicht nur die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen beachten, sondern auch alle Interessenten einbeziehen:

· Die politischen und kommunalen öffentlichen Akteure;
· die regionale Wirtschaft (Landwirtschaft, Handwerk, Dienstleister) und insbesondere
· die Bürger und Bürgerinnen.

Diese Strategie der für uns kennzeichnenden Kooperationsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit bedeutet nicht, dass wir uns bei der Suche nach eigenen We-gen und bei dem Aufbau und der Erweiterung eigener unternehmerischer Kompetenz von außen blockieren lassen.

3 Ziele
Unsere Ziele sind:
1. Unsere Mitglieder unternehmerisch bestmöglich in allen Phasen der Unternehmensentwicklung zu unterstützen;
2. Kooperationen mit Partnern primär im genossenschaftlichen Verbund herzustellen, die unsere Unternehmen bestmöglich fördern und schützen;
3. die Interessen der Energiegenossenschaften gegenüber Dritten und in der Öffentlichkeit zu vertreten;
4. 4000 genossenschaftlich organisierte Produktionsstätten in ganz Deutschland zu schaffen. Praktisch bedeutet dieses, dass jedes ARGE-Mitglied nach besten Kräften in seiner Region bzw. nach seinen spezifischen Fähigkeiten tätig wird.
5. Unser energiewirtschaftliches Anliegen durch geeignete Kommunikation und über die Medien zu verbreiten.

4 Programm
4.1 Förderung der Mitglieder
Förderung ihrer Mitglieder hat in der ARGE oberste Priorität. Praktisch bedeutet dieses:
1. Dem persönlichem Gespräch unter Fachleuten als dem wichtigsten Prinzip der Mitgliederförderung ein formelles Forum zu bieten.
2. Zeitnah ein Informationssystem zu entwickeln, das es ermöglicht – auch ohne eigenes Büro-Kenntnisse, Informationen und Ansprechpartner (interne Berater) für alle relevanten Fragen thematisch zu bündeln, zu vernetzen und den ARGE-Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.
3. Landes-ARGEen zu gründen, in denen Antworten auf landesspezifische Fragen gegeben werden können.
4. Ein verlässliches Partnersystem zu etablieren, dass vor Ort gegenüber der jeweiligen Energiegenossenschaft unterstützend tätig wird.
5. Das Verhältnis zu den Genossenschaftsverbänden den Bedürfnissen und Zielen der (häufig jungen) Energiegenossenschaften entsprechend zu entwickeln und zu pflegen.
4.2 Unterstützung von Neugründungen
Aufgabe der ARGE Energiegenossenschaften ist es, Neugründungen insbesondere im Bereich der Energiegenossenschaften systematisch zu fördern. Die Konsolidierung der eigenen Genossenschaft gelingt insbesondere dann, wenn möglichst viele Energiegenossenschaften tätig sind.

In der Praxis bedeutet dieses:
1. Dass die Genossenschaften in Gründung sowie Förderer der kooperativen Ökonomie aktiv ermutigt werden, sich am Beispiel bestehender Energiegenossenschaften zu informieren und sich an den Treffen der ARGE bzw. ihrer Arbeitsgruppen zu beteiligen.
2. Dass die ARGE ihr Wissen neuen Initiativen und Gesellschaften umsichtig und verantwortungsvoll zur Verfügung stellt. Dazu gehören Betriebbesuche und Berichte über die eigene Gründungsgeschichte.
4.3 Gesellschaftlicher Auftrag
Energieproduktion durch Genossenschaften erfüllt einen gesellschaftspolitischen Auftrag und dient dem angestrebten Ziel der Förderung mündiger, in Wirtschaftskreisläufe einbezogener Bürger. In der Praxis bedeutet dieses:
1. Unterstützung auch anderer genossenschaftlich organisierter Projekte und Gesellschaften, insbesondere im Bereich der gesellschaftlichen Infrastruktur (Schule und Bildung; Gesundheit und Pflege; Nahversorgung und Wohnen). Hier werden in Zukunft neue, von der ARGE geförderte Bündnisse entstehen.
2. Information der Öffentlichkeit z. B. durch regelmäßige Pressemitteilungen, mit denen die ARGE ihrer Stimme Gehör verschafft.

5 Verhaltenskodex
5.1 Umgang der ARGE-Mitglieder untereinander
Wir pflegen eine transparente und demokratische Zusammenarbeit. Zugleich vertrauen wir unseren gewählten Vertretern. Wir orientieren uns in unserem Umgang miteinander an den Regeln des Genossenschaftsgesetzes. Näheres wird in einer noch zu erstellenden Geschäftsordnung (GO) geregelt.
5.2 Umgang mit Dritten
Unser vertrauensvoller und fachgeleiteter Umgang miteinander gibt uns die Möglichkeit, kooperativ und offen auch auf Dritte zuzugehen, um diese für unsere Ziele zu gewinnen. Wir wissen aber auch, dass nicht alle unsere genossenschaftlichen Gedanken teilen und das daraus resultierende Handeln gutheißen. Wir behalten uns vor, Wege zu finden, dass sich diese um ihre Anliegen und Geschäftsmodelle kümmern können. Aufnahme in die ARGE erfolgt durch Mehrheitsbeschluss nach den Regeln der noch zu erstellenden GO.

Mittelhessen als Musterregion identifiziert.

Gießen, den 3.9.2009 – Der Genossenschaftsverband, der Hessische Städte- und Gemeindebund, der Hessische Volkshochschulverband, der Landkreis Gießen und das Regierungspräsidium Mittelhessen unterstützen die Initiative, in Mittelhessen eine Musterregion für kooperative Zusammenarbeit zwischen Bürgern und öffentlicher Administration, Wirtschaft und Wissenschaft zu schaffen.

In Mittelhessen eine Musterregion der kooperativen Zusammenarbeit entwickeln.

Gießen, den 3.9.2009 – Der Genossenschaftsverband, der Hessische Städte- und Gemeindebund, der Hessische Volkshochschulverband, der Landkreis Gießen und das Regierungspräsidium Mittelhessen unterstützen die Initiative, in Mittelhessen eine Musterregion für kooperative Zusammenarbeit zwischen Bürgern und öffentlicher Administration, Wirtschaft und Wissenschaft zu schaffen.